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@ 525Rainer - Abschlissende Abhandlung zur Blechbeschichtung (Allgemein)

erwin, Friday, 09.05.2003, 09:08 (vor 8544 Tagen)

Hallo Rainer,

nun sei mal nicht so hart. Ich fluche zwar auch, wenn ich die diversen Fehlkonstruktionen am 6er sehe. Da ist den 5er besser be- und verarbeitet.

da bringt BMW Mitte der 80er ne Phosphatierung auf den Markt die auch nichts taugt<

Die Phosphatierung für sich ist ja kein Korrosionsschutz, aber die wichtigste Schicht zum Verzahnen mit der 1. organischen Schicht, der elektrostatischen Tauchlackierung, auf die dann Füller, darauf der Basislack und darauf der Klarlack aufgebracht wird. Nur die Phosphatschicht und die darin eingebettet und verzahnte ET-Schicht bringen eine mechanisch belastbare Verbindung zwischen dem Blech und den Lackschichten zustande.

Wenn man die Karosse abbeizt, dann entfernt man auch die organische ET-Schicht. Die dann - auf die noch verbliebene Phosphatierung - aufgebracht Grundierung hat nie die Haftung als die ET-Schicht.

Es ist noch schlimmer, wenn die Leute auf die Idee kommen ihre Karossen, in dem (Irr)Glauben ihr etwas Gutes zu tun, komplett bis auf das Blech abschleifen. Dann ist nicht einmal mehr die relativ (mikrokopisch) raue Phosphatirung vorhanden, an der sich die Grundierung festkrallen kann. Auf den Flächen (Dach, Hauben etc.) ist das nicht so problematisch, aber an den Kanten ist es höchst gefährlich. Eine Lackmacke und die Unterrostung geht los.

Warum meinst Du, daß ich an meinem 6er die Schweisserei selbst an den banalen Bodendeckeln meide wie der Teufel das Weihwasser. Das wirst Du als Bayer doch sicher nachvollziehen können :-).

Die Vorbehandlung und die ET-Beschichtung werden in einem Prozeß (einem Guss) aufgebracht und dringen auch in die Fugen ein, wenn auch nicht so effizient. Problematisch wird es immer an den Kanten, da diese durch den Kanteneffekt immer am dünnsten lackiert sind. Da gilt besonders für die Farben Gelb und Rot. Die Erfahrung hast du sicher schon mal gemacht. Gelb kannst Du x-mal aufbringen, ehe die Kanten decken.

Zu der Phosphatierung noch ein paar Worte. Diese Schicht ist elektrisch nicht leitend. Damit aber ET-Lack im Tauchbad an der Phosphatierung abgeschieden werden kann muß aber Strom fliessen können. Die Phosphatkritallite liegen ähnlich wie Mikadostäbchen oder Plättchen (abhängig von der Art der Phosphatierung, Eisenphosphat, Zinkphosphat, Manganphosphat etc. ) auf der Blechschicht und sind an dieser durch den Austausch der Atome fest angelagert. In den angelagerten Phosphatkristalliten gibt es Hohlräume, die bis zum Blech herunter reichen. Über die "Defekte" in der Phosphatschicht kann der notwendige Strom für die ET-Beschichtung fliessen!!

Die "Defekte" sind aber nicht gleichmässig, sondern nestweise auf der Fläche verteilt. Ich habe das mal durch die Anlagerung von Kupfer und anschliessende Beobachtung unter einem Rasterelektronen-Mikroskop nachgewiesen. Die nestweise Verteilung der Poren geht vermutlich auf die nebeneinander liegenden anodischen und kathodischen Bereiche der Blechschicht zurück.

Und nun etwas bedeutendes! Die Zusammensetzung der Tauchbäder und deren chemische und thermische Zustände sind von Einfluss auf die Güte eine Beschichtung. Soweit ist noch alles ok.. Aber nun halte Dich fest....es gibt immer noch keine Messmethode zur qualitativen Erfassung der Phosphatierung. Meine Diplomarbeit heißt: "Porositätsuntersuchungen an phosphatierten Oberflächen" und die habe ich 1986 bei Ford in Köln geschrieben. Sie hatte das Ziel eine solche Messmethode mittels Stromfluss im Tauchbad zu entwickeln.
Als Ergebnis bin ich auf das Phänomen der "sphärische Diffusion" ( umgekehrter Kanteneffekt beim Lackbeschichten) gestossen. Um die Sachen weiter zu verfolgen, wären Versuche in Detroit erforderlich gewesen und das Thema besser für eine Dissertation als für eine Diplomarbeit geeignet gewesen.

So Rainer, nun müsste Dir der Kopf rauchen ??
Wie Du und vielleicht ein paar andere Leser erkennen könnt, ist das mit der Lackierung so eine Sache und nicht mit "Ein Kilo Blech, eine Kilo Lack und fertig ist der Hanomag" abgetan.

Zudem sind die Autos alle gut 15 Jahre alt und waren als Verbrauchsgüter in eine Zeit entstanden, als ein normales Auto nach 8 Jahren auf dem Schrottplatz zu liegen hatte.
Die ersten VW-Golf hatte handflächengrosse Durchrostungen im Dach. Die Ursache lag aber in Gebrauch und der Wärmebehandlung der Karosseriebleche und ein ganz anderes Thema.

Und dafür sind die Autos doch noch gut in Schuss. Die Porsche sind keine Verbrauchsgüter sondern deutsche Statussymbole. Das ist ein evidenter Unterschied.

Bis dann,

Erwin

PS: Und morgen wird ganz vorsichtige gestrahlt...pffft.....pffft, wo die Säure zu lagen braucht, um nicht mehr Grundschichten als notwendig zu zerstören. Ich werde mal sehen, ob meine Theorie von den partiell verteilten verzinkten Teilen und der damit verbundenen Absenkung des elektrochemischen Potentials des Karosseriebleches, zumindest in umliegenden Bereich der Zinkteile wirkt. Das kann aber nur die Zeit beantworten. In ein paar Jahren mehr dazu.


Re: @ 525Rainer - Abschlissende Abhandlung zur Blechbeschichtung

525Rainer, Friday, 09.05.2003, 12:05 (vor 8543 Tagen) @ erwin


Als Antwort auf: @ 525Rainer - Abschlissende Abhandlung zur Blechbeschichtung von erwin am 09. Mai 2003 09:08:49:


Hallo Erwin,

Jede Lackiererei würde pleite machen, wenn die anforderungen an eine reperatur so wären wie die abnahme eines neufahrzeugs. ich hab mein zeug von den autolackiererein aus unserer gegend. die meisten machen aufbereitung von BMW Werksfahrzeugen. Wenns für die langt, dann reichts für meine mühle allerweil. ich seh das schrauben am auto als hobby, und nicht als wissenschaft. ich hab auch keine lust mir eine einbrennlackiererei zu bauen, ein paar tauchbäder anzuschaffen und vorher jahrelang beschichtungswissenschaften zu studieren. mir macht es spass an autos zu schweissen, schneiden, schleifen und zu lackieren und ehrlichgesagt würde ich keinen tankdeckel vergewaltigen :-) nur damit mein auto, das ab werk schon an jeder schweisstelle rostet (schau mal unter deinen ubs) nicht noch welche abkriegt die ich schön kontrollieren kann und nach besstem gewissen versiegeln kann.

Und dafür sind die Autos doch noch gut in Schuss.

alte BMW? nur von der technik. in jedem bmw ticken zeitbomben und in 10 jahren geht das geheule los wenn die halter von gemeinten "rostfreien" bmw´s nicht mehr durch den tüv fürs H-kennzeichen kommen. dann werden sich die beiträge hier häufen: da musst du das rostloch mit fertan besprühen und mit hammerit drüberstreichen.. die schweissen dann auch nicht weil sie dann nicht mehr "ungeschweisster orginalzustand" zu ihrer mühle sagen können.

Die Porsche sind keine Verbrauchsgüter sondern deutsche Statussymbole. Das ist ein evidenter Unterschied.

Hhihihi .. Porsche 924? porsche 944? hohoho.. das sind die grössen bastelmühlen die ich kenne. meine beiden freunde haben insgesammt so an die 10 924 und 944. da haben die meisten schon den dritten brief. schau mal unter mobile unter porsche 924 welche leute solche autos die letzten 10 jahre gefahren haben.. ein bmw E34 muss locker mit einem 924 mithalten können der 1975 auf den markt kam und ab 81 vollverzinkt war.

grüsse rainer

Re: @ 525Rainer - Abschlissende Abhandlung zur Blechbeschichtung

Peer, Friday, 09.05.2003, 12:49 (vor 8543 Tagen) @ erwin


Als Antwort auf: @ 525Rainer - Abschlissende Abhandlung zur Blechbeschichtung von erwin am 09. Mai 2003 09:08:49:


Hmm,

viel graue Theorie. Und wenn das alles stimmt, dann wären alle Kfz Lackierer die größten Pfuscher unter Gottes Sonne !
Und alles was ich damals gelernt habe ist vorn Arsch - wäre dann aber doch etwas einfach oder ?

Es mag sein, das es in der Theorie ja so richtig sein wird, die Praxis sieht aber anders aus. Das habe ich seinerzeit an meinem Ausbildungsmeister gesehen !
In der Theroie war Er Gott, aber in der Praxis hat Er nur geloost !

Ich habe zwar nicht alles verstanden was Du geschrieben hast, aber einiges. Vieles davon kenne ich auch aus meiner Ausbildung.

Auch das einige Irre bei ner ganzlackierung alles runter schleifen ist krank und Dumm, denn nichts geht über die original Lackierung, jede neu Lackierung ist nur eine Reperatur ! In sofern gebe ich Dir recht.

Gruß

Peer

PS : Irgendwo habe ich noch meine Schulungsunterlagen von damals, war am überlegen diese evtl. auf meine HP zu packen - für die Hobby Lacker !

E28 IG Nord

Re: @ 525Rainer - Abschlissende Abhandlung zur Blechbeschichtung

Nico Hoffmann, Friday, 09.05.2003, 13:16 (vor 8543 Tagen) @ erwin


Als Antwort auf: @ 525Rainer - Abschlissende Abhandlung zur Blechbeschichtung von erwin am 09. Mai 2003 09:08:49:

Die Phosphatierung für sich ist ja kein Korrosionsschutz, aber die wichtigste
Schicht zum Verzahnen mit der 1. organischen Schicht, der elektrostatischen
Tauchlackierung, auf die dann Füller, darauf der Basislack und darauf der
Klarlack aufgebracht wird. Nur die Phosphatschicht und die darin eingebettet
und verzahnte ET-Schicht bringen eine mechanisch belastbare Verbindung zwischen
dem Blech und den Lackschichten zustande.

Ich dachte bisher, die Phosphatierung sei vor allem eine chemische
Oberflächenbehandlung. Dass sie sehr gut haftet, ist mir auch schon
aufgefallen.
Was ist denn dann mit den ganzen Theorien um die phosphorsäurehaltigen
Mittelchen, die auf (angerostetem) Blech Eisenphosphat erzeugen sollen?

Es ist noch schlimmer, wenn die Leute auf die Idee kommen ihre Karossen, in dem
(Irr)Glauben ihr etwas Gutes zu tun, komplett bis auf das Blech abschleifen.
Dann ist nicht einmal mehr die relativ (mikrokopisch) raue Phosphatirung
vorhanden, an der sich die Grundierung festkrallen kann. Auf den Flächen (Dach,
Hauben etc.) ist das nicht so problematisch, aber an den Kanten ist es höchst
gefährlich. Eine Lackmacke und die Unterrostung geht los.

Da sagst du was. Leider bleibt einem manchmal nichts anderes übrig als
bis aufs Blech durchzuschleifen.

Was wär' denn deiner Meinung nach die beste Methode, um Roststellen zu
beseitigen?

Warum meinst Du, daß ich an meinem 6er die Schweisserei selbst an den banalen
Bodendeckeln meide wie der Teufel das Weihwasser. Das wirst Du als Bayer doch
sicher nachvollziehen können :-).

Auch das läßt sich irgendwann nicht mehr vermeiden.
Wie ist das eigentlich mit den geschweißten Stellen?
Da ist doch die Struktur des Eisenblechs durch das lokale Aufschmelzen
gestört. Zudem treten wegen der Hitze ja immer Spannungen auf.
Macht das nicht auch einen Effekt?

Zudem sind die Autos alle gut 15 Jahre alt und waren als Verbrauchsgüter in
eine Zeit entstanden, als ein normales Auto nach 8 Jahren auf dem Schrottplatz
zu liegen hatte.
Die ersten VW-Golf hatte handflächengrosse Durchrostungen im Dach. Die Ursache
lag aber in Gebrauch und der Wärmebehandlung der Karosseriebleche und ein ganz
anderes Thema.

Jein. Die ersten VW Golf kamen Mitte der 70er auf den Markt und hatten
eine anerkannt schlechte Rostvorsorge. BMW war zu E28-Zeiten nicht schlecht,
aber dem selbstgestellten Anspruch, Nummer eins zu sein, wurde BMW nicht
ganz gerecht.


N.


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