Als Antwort auf: Kennt sich hier jemand mit dem W123 aus? von Benson am 14. Mai 2007 09:38:03:
Hallo Benson,
da ich nur 200D(iesel) handgerührt gefahren bin, kann ich leider nur zur Karosserie was sagen.
Generell rosten die 123er gerne im Verborgenen. Wenn Du die Möglichkeit hast, nimm' die Plastikinnenkotflügel vorne mal raus (hatten die allerdings erst ab Ende '82). 123er rosten sehr gerne an der A-Säule. Sieht kein Mensch, nicht mal der TÜV, aber irgendwann kann's da katastrophal werden...
Schwellerendspitzen, Wagenheberaufnahmen, Radkästen und Radläufe sollten genauso gecheckt werden wie beim E28. Wenn Du dich nach hinten durchgearbeitet hast, solltest Du mal folgendes begutachten: Die Aufwärtsbewegung der Lenker der HA wird beim 123er durch so Gummipuffer begrenzt. An sich eine feine Sache, wenn denn nach über 20 Jahren noch Blech zur Aufnahme der selben vorhanden ist...
Wo wir gerade in der Nähe der HA sind: Darüber befindet sich ein Querträger, der sehr gerne wegrostet. Dann heißt es: HA raus und schweißen, was das Zeug hält.
Ein weiteres Problem beim 123er sind die Federn der VA. Sie brechen, die Aufnahmen rosten weg, und irgendwann fliegen Dir die Scheißdinger schlicht um die Ohren. Außerdem sollte man die Biester bitte, bitte nicht mit herkömmlichen Federspannern ausbauen. Es gibt spezielle Spanner dafür, Kostenpunkt zu meiner aktiven 123er-Zeit war, glaub' ich, 500 Euro das Stück(!)
Die Zierleisten an der Türunterkante sollteste Dir auch sehr genau ansehen, darunter rostet's meistens hemmungslos.
Lenkungsspiel ist bei Mercedes generell eine Sache. Mehr als zwei (oder waren's drei(?)) Fingerbreit Spiel sollte die Lenkung nicht haben. Allerdings läßt sich das Lenkungsspiel ggf. noch am Lenkgetriebe einstellen.
Natürlich haben 123er gegenüber dem E28 auch Vorteile<img src=http://bilder.parsimony.net/smilies/zwinker.gif alt=zwinker>: Der Anlasser war, so weit ich weiß, auch bei den Benzinern eher unproblematisch zu erreichen, nicht wie beim E28. Die Vorderachse verträgt u.U. einen Bordsteinkantenvolltreffer mit Reifenplatzer, ohne dass sich die Spur verstellt (hab' ich selber ausprobiert). Flattern in der Lenkung haste eigentlich nur dann, wenn die Felge viereckig ist.
Weiterhin ist der Teppich im 123er vierteilig. Alle vier Teile können einfach abgeknöpft und rausgenommen werden. Diesen Vorteil würde ich an Deiner Stelle hemmungslos ausnutzen, läßt sich auf diese Weise doch auch schön ausloten, inwiefern das Verfallsdatum des Bodenblechs schon überschritten wurde.
Im Gegensatz zum E28 hat der 123er eine Kofferraumdichtung, und die dichtet auch nach 20 Jahren noch, es sei denn, das Blech darunter ist dank eines ignoranten Vorbesitzers komplett weggefault. Außerdem ist die Ladekante mit einer Plastikkante versehen, da kann man dann auch mal ungeniert den Kasten Krombacher drüber schleifen.
Ähnliches gilt für die 123er-Stoßstangen: Rosten tun die Biester zwar auch recht anständig, allerdings ist hier, im Gegensatz zum E28 einiges mehr an Blech in Eisenoxid umzuwandeln.
Generell sind die 123er der letzten Serie (ab Ende '82) am besten gegen Rost geschützt.
Zum 200er Benziner kann ich, wie gesagt, nicht mit eigener Erfahrung beitragen. Es gab sie auf Basis des M115(?) und später wohl auch auf Basis des M102, auf denen auch der 230E basierte. Generell sollen sie etwas anspruchsloser als die 230E sein (eingelaufene Nockenwelle), dafür allerdings etwas phlegmatischer und versoffener.
Die Viergangautomaten brauchen alle 60K einen Ölwechsel. So weit ich weiß, hat der Wandler eine eigene Ölablaßschraube. Mit Pech sitzt die beim Ölwechsel gerade oben, so dass man da nicht rankommt.
Zur Kat-Nachrüstung kann ich nicht viel sagen. Paul Wurm war da früher erste Wahl. Es gab von ihm sogar D3-Aufrüstungen, allerdings nur für den 230E. HJS und GAT sind eigentlich verpönt. Waren zwar etliches billiger, als die Katalysatoren von Wurm, haben aber wohl oft auch ziemlich schnell den Geist aufgegeben.
Ich hoffe, ich habe Dich mit meinem Geschwallere nicht nur verwirrt, sondern ein wenig Entscheidungshilfe geleistet (?)
Beste Grüße, Frank