Nico Hoffmann - Abhandlung zur Blechbeschichtung / Teil 2 (Allgemein)
Hallo Nico,
entschuldige meine späte Antwort. Ich war ein paar Tage off.
Ich dachte bisher, die Phosphatierung sei vor allem eine chemische
Oberflächenbehandlung. Dass sie sehr gut haftet, ist mir auch schon
aufgefallen.
Was ist denn dann mit den ganzen Theorien um die phosphorsäurehaltigen
Mittelchen, die auf (angerostetem) Blech Eisenphosphat erzeugen sollen?
Die letzten Wochen habe ich mich auf dem Markt der Korrosionschutzchemie, was übrigens eine ganz andere Branche als der industrielle Bereich ist und in dem ganz andere Produkte angewandt werde, da die industriellen Produkte im Reparaturbereich nicht (nur sehr begrenzt) anwendbar sind.
Auf diesem Markt geht es für meine Begriffe zu wie auf einem Jahrmarkt, mit Gauklern und Wunderheilern. Es ist, mit dem entsprechenden elektrochemischen Hintergrundwissen, haarsträubend was da alles angeboten, auf Dosen geschrieben steht und einem als Allheilmittel unter die Nase gehalten wird. Besonders wenn das Herkunftsland USA auf der Verpackung steht ist höchste Skepsis geboten. Man kennt ja die amerikanische Neigung, sämmtliche Schwachsinn aus der Fersehwerbung zu kaufen, nur weil es schön angeprisen wird. Coca-Cola war je ürsprünglich auch ein Jahrmarksts-Wunderheilmittel !!
Phosphorsäurehaltige Mittel, die eine Eisenphosphatschicht auf dem Rost erzeugen sind ebenso gut wie ein Pflaster auf einer Rostnarbe. Wenn Du die Säure verwenden willst, dann eine mit Inhibitor und zu dem Zweck den Rost chemisch vollständig zu lösen und das Porentief. Dann wird durch einen elektrochemischen Prozess die Oberfläche phosphatiert. Und hier gibt es bei den Produkten wieder gewaltige Unterschiede, manche können zwar bedingt entrosten, mit der anschliessenden Phosphatschicht ist es dann aber nicht weit her. Nachdem man ich die Oberfläche einem cremeartigen Produktes zu Neutralisation mit Wasser abgewaschen hatte, war das Blech schon wieder verrostet....ab in die Tonne mit dem Zeug. Ich habe eine Säure mit Inhibitor, die löst den Rost porentief aus und phosphatiert die Oberfläche mit einer sicher eine Woche resistenten Schicht.
Wenn man nach der Behandlung den Wagen mit Wasser (Hochdruckreinigen) abwäscht, und die Säure aus ritzen und Spalten auszutreiben, anschliessend mit einem Gemisch aus 30 - 50 % Spiritus und dem Rest an Wasser nachspült und an unsensiblen Stellen reinen Spiritus anwendet, der das Wasser aus den Fugen austreibt, dann kann man anschliessend beschichten.
Und nun die Frage....mit WAS ??????
Ich habe mal BOB getestet...."Spoppt den Rost dauerhaft". Die Flüssigkeit habe auf frischgestrahltes Blech aufgetragen, 2 Tage gewartet und dann mal mit der Drahtbürste drüber gewischt. Im Nu war nichts mehr davon zu sehen.....ab in die Tonne mit BOB.
Nun habe ich POR 15 in der Hand...Herkunftsland USA...siehe oben!
Por 15..Rostverhütungslack....klingt schon atemberaubend......Direkt über den Rost streichen....klingt wie aus der Fersehwerbung....Versiegelt Rost für immer ?? Soll ich die Dose eingentlich noch aufmachen und einen Test durchführen oder sie gleich an die Wand werfen ??
Da sagst du was. Leider bleibt einem manchmal nichts anderes übrig als
bis aufs Blech durchzuschleifen.
Was wär' denn deiner Meinung nach die beste Methode, um Roststellen zu
beseitigen?
Wenn möglich die chemische oder vorher Sandstrahlen um die dicke rostschicht zu entfernen und dann die Chemie hinterher. da es sehr lange dauern kann, bis die Chemie die Rostschicht gelöst hat. In einem bewegten Bad wäre das in ein paar Stunden erledigt, aber mit Watte am Blech, die man öfter wenden muss um reaktionsfähige Säure am Blech zu halten dauert es eben. So mach ich es...strahlen..dann Watte an die Stelle, mit der Kanüle die Säure in die watte, die sich dann wie Kaugummie formen und ankleben läßt (Chemiehandschuhe verwenden, meine Säure brennt höllisch an den Fingernägeln).
Warum meinst Du, daß ich an meinem 6er die Schweisserei selbst an den banalen
Bodendeckeln meide wie der Teufel das Weihwasser. Das wirst Du als Bayer doch
sicher nachvollziehen können.
Auch das läßt sich irgendwann nicht mehr vermeiden.
Wie ist das eigentlich mit den geschweißten Stellen?
Da ist doch die Struktur des Eisenblechs durch das lokale Aufschmelzen
gestört. Zudem treten wegen der Hitze ja immer Spannungen auf.
Macht das nicht auch einen Effekt?
Es spielen beim Schweissen mehrere Faktoren eine korrosionsbegünstigende Rolle.
a) beim Schweissen dringt meist Sauerstoff in die Schweissstelle, der die interkristalline Reaktion (Anode-Kathode) bei Einwirken von Feuchtigkeit oder Nässe in Gang setzt.
b) Das elektrochemische Potential der Schweissstellen wird im Vergleich zu dem umliegenden Blech angehoben (veredelt). Da aber alle Stoffe in der Natur dem niedrigstem Potentialzustand entgegen streben und der niedrigste Potenialzustand von Eisen nun mal Rost ist, will das wieder dahin. Du willst ihm das aber nicht erlauben. Da gibt es zwischen Dir und Deiner Karosse einen Interessenskonflikt den Du langfristig verlieren wirst. Sowohl Deine Karosse als auch Du wirst irgenwann zu dem zerfallen, aus dem es besteht !
Eine Erklärung was der Potentialzustand ist!!
Du nimmst eine Hammer und legst ihn auf dem Boden. Was passiert? Nichts!!
Der Hammer hat seinen im Moment niedrigsten Potentialzustand erreicht.
Jetzt hebst Du den Hammen einem Meter hoch, Damit erhöst Du seinem Potentiualzustand. Nun hällst Du ihn über deinen Fuß....und lässt ihn los. Was passiert....Du schreist
. Nein....der Hammer hat nur seinen ürsprünglichen Potentialzustand angenommen. Nun hebst Du den Hamme auf 2 Meter Hoch...über den Fuss halte und loßlassen. Was pssiert...Du schreist lauter. Der Hammer nicht anderes getan als seinen ursprüngliche Potentialzustand wieder einzunehem. Durch dein Anheben hast du Ihn "veredelt". Und je höher du ihn veredelst (Eisen schmelzen, dann schmieden, dann in Coils walzen, biegen und schweissen ist alles eine Potentialanhebung) desto mehr schreist Du, bzw. desto höher ist der Korrosionsdruck des Bleches.
Jein. Die ersten VW Golf kamen Mitte der 70er auf den Markt und hatten
eine anerkannt schlechte Rostvorsorge. BMW war zu E28-Zeiten nicht schlecht,
aber dem selbstgestellten Anspruch, Nummer eins zu sein, wurde BMW nicht
ganz gerecht.
Das hing mit der vollständigen Verwendung der Coilblech zusammen. Vorher wurde nach dem Glühen im Ofen der äussere Bereich, ca. 250 mm wieder abgeschnitten und eingeschmolzen, weil darin die Verunreinigungen konzentriert sind. Durch wirtschaftiche Sparmaßnahmen wurde damal die Coils für die Blechteile komplett verwendet und die Blechteile die aus den Randbereiche gefetigt wurden rosten hervorragen, besonders zu erkennen an der Lochfrasskorossion.
Da steht noch eine Alfa GTV 2.5, 6 Zyl. in bei mir rum.
Aber was mache ich jetzt auf mein schön gestrhltes und mit Phosphorsäure und Watte optimal vorbereitetes Blech drauf ???
Wenn ich jetzt nämlich irgend eine Mist draufpappe, dann war die ganze Schufterei umsonst!
Ich habe noch ein Gebinde Zinkchromat (grüngelb) aufgetrieben. Setze ich da am besten ein??
Schöne Grüsse,
Erwin