Als Antwort auf: Getriebe von seven am 03. Februar 2004 00:25:20:
Hi!
Die Vmax ergibt sich aus dem Fahrwiderstand des Wagens (Gesamtheit der Faktoren aus Roll-, Reib-, Luftwiderstand und Gewicht, sowie aus der maximalen verfügbaren Leistung).
Mehr Vmax kriegst Du (fast) nie raus, ohne die Motorleistung zu erhöhen, außer, die Übersetzung eines Wagens ist nicht optimal auf seine Leistung abgestimmt.
Ab Werk ist die Getriebeabstufung fast immer so ausgelegt, daß die Drehzahl, bei welcher der Motor seine Maximalleistung abgibt (=Nenndrehzahl), kurz vor der Vmax des Wagens erreicht wird. Das heißt, der Wagen muß in dem entsprechenden Gang die Nenndrehzahl erreichen können, um auch die für die geforderte Vmax erforderliche Leistung zu erreichen.
Je nach Auslegung ist dies der 4. oder der 5. Gang: Ein echtes Schonganggetriebe ist so ausgelegt, daß die Vmax im 4. Gang erreicht wird und der 5. Gang zu nichts Anderem dient, als zur nerven- (und gar nicht immer treibstoffkostensenkenden) Drehzahlabsenkung; ein echtes Sportgetriebe wird die größere Zahl der Gänge auf engere Getriebeabstufungen zwischen allen Gängen verteilt haben und den 5. Gang gleich lang haben wie den 4. bei einem Vierganggetriebe oder den 4. bei einem Fünfgangschongetriebe: Nämlich auf die Vmax abgestimmt. Wenn die erreichbare Vmax im 4. gleich hoch ist wie im 5. Gang, handelt es sich um einen pragmatisch ausgelegten Zwitter, der sowohl von einer etwas engeren Abstufung gegenüber einem Vierganggetriebe oder einem Fünfgang-Schongetriebe profitiert, als auch von einer Absenkung der Drehzahl bei Fahrgeschwindigkeiten im oberen und mittleren Geschwindigkeitsbereich.
So eine Zwitterabstimmung zwichen Vier- und Fünfganggetriebe hat zur Folge, daß die theoretisch erreichbare Vmax meist um ein paar (2, 3, 4) km/h höher liegt, weil die Leistung im 4. Gang bereits wieder abfällt, wenn der Motor gegen Höchstgeschwindigkeit in den Begrenzer läuft (wie auch aus den unteren Gängen bekannt) und andererseits im 5. Gang die Nenndrehzahl zur Abgabe der für die Vmax des Wagens erforderlichen Leistung nicht erreicht werden kann, der Wagen somit kurz vor seiner Vmax "verhungert", so wie es eben in noch krasserem Ausmaß im 5. Gang eines echten Schongetriebes der Fall ist.
Davon ausgehend, kann man von drehzahllimitierter und lastwiderstandslimitierter Vmax sprechen (rev- versus drag-limitied cars): Ein Wagen mit einem Vierganggetriebe oder einem Fünfgang-Sportgetriebe hat (in der Regel) eine drehzahllimitierte Vmax, ein solcher mit einer Zwitter- oder einer Schongangabstimmung eine durch den Lastwiderstand limitierte Vmax.
Ein Getriebe mit extra Schongang soll anscheinend genau das richtige sein, da die ersten vier Gänge annähernd gleich übersetzt sind nur der letzte Gang extra lang sein soll - um bei vorhandener Leistung mehr "Vmax" herauszuholen.
Falls ich irgendwie falsch liegen sollte korrigier mich ...
- In etwa stimmt das, allerdings deshalb, weil bei der Umrüstung von Viergangautomatik auf Fünfgang-Schongetriebe durch den Wegfall des leistungsschluckenden Automatik-Wandlers mehr Motorleistung bis an die Hinterachse hinkommt, was die Vmax des Wagens erhöht.
Der Automatic-Eta ist ein bißchen kürzer übersetzt als der handgeschaltete. Wenn Du das Getriebe tauschst und das Hinterachsdifferential beläßt, bekommst Du einen Eta, der spritziger ist als ein original handgeschalteter und auf jeden Fall schneller als einer mit Automatik. Daß er eine höhere Vmax als ein handgeschalteter haben wird, kann ich nicht auf Anhieb sagen. Vermutlich handelt es sich um eine der oben angesprochenen "Zwitter"-Abstimmungen.
Wenn ich jetzt ein Getriebe prüfen muss woran kann man erkennen welches es ist und wie gut der Zustand ist?
- Das habe ich Dir schon im vorigen Posting geschrieben. Wie gesagt: Ölaustrittsspuren, km-Zahl am Tacho des Spenderfahrzeuges, Zahl der Vorbesitzer im Typenschein des Spenderfahrzeuges...
Vor Einbau eines Tauschgetriebes auf jeden Fall den Simering an der Welle prüfen, um tropfenden Erger zu värmeiden.
Es sind Ziffern in jenen Getrieben eingestanzt, gibt es eine Tabelle von welcher man sich die notwendigen Daten herholen kann?
- Ja, diese Tabellen gibt es sicher, aber: Ich habe sie noch nicht entdeckt und bin bis dato ohne diese über die Runden bekommen. Mein Fünfgang-Sportgetriebe habe ich drin.
Woran kann man den Zustand erkennen? - mega spiel am Schaltknüppel? abgenutzte Ritzel?
- Im geschlossenen Zustand schwer erkennbar. Einen ganz groben Schaden müßte man vielleicht erkennen können, wenn man die Wellen dreht. Auch das Einlegen der Gänge kann "trocken" kontrolliert werden, um zumindest ganz grobe Fehler auszuschließen. Du kannst bestenfalls hören, ob irgendetwas grob rattert. Tatsächlich sind aber die Wellen eines Getriebes im ausgebauten Zustand fast überhaupt nicht zu drehen. Synchronisationsschwächen wirst Du auf keinen Fall erkennen können, diese sind allerdings sehr selten. Am ehesten erkennt man weniger gravierende Getriebefehler an der Getriebeakustik gleich nach dem Einbau, aber dann ist die Arbeit ja ohnehin schon getan.
Nicht vergessen, daß die Schalldämmung im Getriebebereich bei Originalverbauung meist sehr umfangreich ist und sich nach einem Umbau ohne Schalldämmung ein lauteres, "kränkeres", weil singenderes akustisches Bild ergibt.
Ich habe jedenfalls gleich geglaubt, es reibe zu stark, klinge zu metallisch oder singe, weil es schon zu viele km habe, aber
- es war alles ganz normal und ich hörte nur wegen der anfänglich nicht vorhandenen Schalldämmung "das Gras wachsen" (Zu wenig Getriebeöl? Schon leer? Alles ausgeronnen?). Der Simering an der Kardanwelle war allerdings undicht.
Dankende Grüsse
seven
Ciao, FJB.