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Anleitung Einspritzpumpenausbau M21 (Allgemein)

Diesel, Saturday, 25.08.2007, 08:37 (vor 6988 Tagen) @ Stephan B., Essen


Als Antwort auf: Diesel Kenner im Sauerland? von Stephan B., Essen am 24. August 2007 21:55:22:


Hi Stephan,

klar, vor der Instandsetzung muß die Pumpe erst mal raus. Ist auch nicht wirklich schwierig, man bricht sich beim td an der Fahrerseite des Motorblocks nur immer sämtliche Finger. <img src=http://bilder.parsimony.net/smilies/grmpf.gif alt=grmpf> Um gerade dieses zu minimieren, baue ich zuallererst immer die Ansaugbrücke ab. Zwar ist es zusätzliche Arbeit, aber mir ist absolut nicht klar, wie man die Pumpe mit ihrer brachialen Befestigung und die sechs Einspritzleitungen ausbauen soll, solange die Ansaugbrücke noch eingebaut ist, wenngleich sowas schon mal jemand geschafft haben soll. Also raus damit. Dazu wird der Ölabscheider vom Ventildeckel abgeschraubt, der dünne Schlauch an seiner Unterseite gelöst und das Geraffel nach links unter den Turbo geklemmt. Etwas Kühlflüssigkeit wird abgelassen, weil der obere Kühlerschlauch vom Stutzen am Zylinderkopf gezogen werden muß, damit die Ansaugbrücke etwas mehr Platz bekommt und sonst nicht abzuziehen wäre. Ich baue immer den Viskolüfter ab, damit ich vorn besser arbeiten kann. Achtung: Der Viscolüfter sitzt mit LINKSGEWINDE auf der Wasserpumpenwelle. Blöderweise löst sich die Verschraubung nach 20 Jahren ohne Öffnung sehr schlecht und die Wasserpumpenwelle ist auch nicht gerade das, was man "fest" nennen könnte, da sie nur von Keilriemen festgehalten wird. Ich nehmen in solchen Fällen einen passenden Maulschlüssel (ich glaube es ist eine 32er Mutter) und einen ordentlichen Hammer. Der Schlüssel wird von oben auf die Mutter gesteckt und mit dem Hammer schlägt man den Schlüssel dann mit Nachdruck zur Fahrerseite (wie gesagt: Linksgewinde!). Entweder der Lüfter löst sich, oder man schlägt noch 10 Mal. Dabei möglichst nicht ganz so viele Kollateralschäden wie zertrümmerte Kühler, Batterien und Ventildeckel verursachen... Kleiner Trick: Vor der Neumontage des Viscolüfters Kupferpaste aufs Gewinde streichen und man hat nie wieder solche Probleme. Eigentlich kann jetzt auch gleich noch der Kühler raus, dann kann man noch viel besser von vorn arbeiten.

Als nächstes die Einspritzleitungen, Sprit- und Wasserschläuche, sowie die Anschlußkabel von der Einspritzpumpe abschrauben. Bei den Einspritzleitungen löse ich zuerst immer die obere Seite an den Einspritzdüsen, dann entferne ich die Verbinderbleche, die die Leitungen zusammenhalten und dann schraube ich unten an der Pumpe Leitung für Leitung los und entnehmen die Leitungen einzeln, damnit ich zusätzlichen Platz zum Schrauben kriege (gerade unten an der Pumpe wichtig, weil man sonst nur mit Gummifingern und Spezialschlüssel die Leitungen von der Pumpe lösen kann). Dann liegt die Pumpe frei. Alle Teile des Einspritzsystems unbedingt vor Schmutz schützen. Am besten, man nimmt eine saubere Plastiktüte und legt die Leitungen dort hinein. Die Düsen werden vom BOSCH-Dienst während solcher Arbeiten oben mit kleinen Plastik-Gewinderkäppchen verschlossen, wie sie beispielsweise der Pumpen-Dichtungssatz beiligen, damit kein Dreck reinfallen kann, der sonst später zu mangelhaftem Laufverhalten führt. Dasselbe gilt für die sechs offenen Druckventile der Einspritzpumpe. Sechs Stöpsel haben wir also, für die anderen sechs Schraubstutzen lassen wir uns was einfallen.

Nun den Motor auf OT drehen, so daß die Ventile vom 6. Zylinder überschneiden (Arbeitstakt 1. Zylinder)und die Zahnriemenabdeckung abnehmen. Ich mache mir in dieser Stellung noch eine Markierung auf dem Riemenrad der Einspritzpumpe, um diese nicht versehentlich um 180° gedreht einzubauen... Zahnriemen entspannen und abnehmen.

Pumpenriemenrad mit Dorn blockieren und Pumpenwellenmutter lösen. Nun wird ein Abzieher benötigt, um das Zahnriemenrad von der (konischen) Pumpenwelle abzudrücken. Weil netterweise schon zwei M6-Bohrungen im Zahnriemenrad vorhanden sind, kann man sich leicht etwas entsprechendes aus zwei längeren M6-Schrauben und einem Stücken Flachstahl, der auf die Pumpenwelle drückt, basteln. Aber Vorsicht: Die Schrauben nicht zu tief eindrehen, sonst wird der Welleneingang an der Einspritzpumpe beschädigt. Dort sitzt der Wellendichtring... Ist die Riemenscheibe ab, werden die Schrauben an der Rückseite der Einspritzpumpe gelöst, einschließlich Haltewinkel. Dann die beiden Flanschschrauben vorn. Nun kann die Pumpe nach hinten aus ihrer Halterung gezogen und herausgenommen werden. Dieses war der erste Streich...

Wer nun einfach irgendeine gebrauchte Pumpe einbaut, tut sich nur in seltenen Fällen einen Gefallen. Die Pumpen sind nämlich nach über 20 Jahren und derweil mindestens 5% RME im Dieselkraftstoff fast alle undicht. Oder sie werden es bald... Also Dichtungssatz von Bosch besorgen oder die Dichtarbeit außer Haus geben! Der vordere Wellendichtring ist übrigens NICHT Bestandteil des Dichtungssatze (warum auch immer) und muß gesondert bestellt werden.

Die genaue Vorgehensweise einer Pumpen-Neuabdichtung spare ich mir an dieser Stelle, weil ich bei einer Niederschrift nach Gedächtnis erstens mit Sicherheit einiges vergessen würde und ich zweitens nicht glaube, daß sie viel helfen würde. Diejenigen, die sowas machen, werden's ohne sie können, die die's nicht können, werden durch eine Anleitung möglicherweise trotzdem in für sie unlösbare Schwierigkeiten geraten. Nur der eine Hinweis: Bevor die Volllastschraube herausgedreht und die Gas- und Stophebel von ihren Wellen abgenommen werden, müssen die <b>genauen Einbaupositionen</b> so markiert werden, daß man sie hinterher wieder genau so einbaut, wie man sie vorgefunden hat. Sonst springt der Motor hinterher entweder überhaupt nicht mehr an, oder er geht nach dem Anlassen komplett "durch" und zerstört sich schlimmstenfalls selbst. Oder irgendwas dazwischen. Angst gekriegt? Gut so. Wenn man weiß was passieren kann, achtet man auch auf Details... <img src=http://bilder.parsimony.net/smilies/zwinker.gif alt=zwinker>

Würde man dem BOSCH-Mann neben der reinen Pumpenabdichtung auch noch Demontage und Montage zumuten, würde dies die Lohnkosten enorm steigern, weshalb ich hier definitiv zur Eigeninitiative rate. Zumal die BOSCH-Leute auch keinen Plan haben, wie sie die Pumpe eines prähistorischen M21 möglichst unfallfrei raus und wieder rein bekommen, was zum einen die Rechnung in ungeahnte Höhen treibt und zum anderen vielleicht zu unnötigem Murks führt.

Ich hoffe, die kleine Abhandlung hilft weiter.

Grüße, Tom



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