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Re: Automatikberatung gesucht (Allgemein)

Diesel, Tuesday, 25.09.2007, 08:20 (vor 6956 Tagen) @ ChrisAS


Als Antwort auf: Automatikberatung gesucht von ChrisAS am 24. September 2007 22:46:00:

Moin an die Automatikspezis,
bin evtl. am Überlegen (ist noch eine fixe Idee) mein "neues" altes Auto auf Automatik (4HP22, die normale H-Version) zu belassen. Das Auto hat jetzt einen Getriebeschaden. Bewegt sich keinen Centimeter mehr vor oder zurück, egal wie man schaltet.
Da hier ja scheinbar sehr viele passionierte Automatikfahrer und Spezis sich rumtreiben, würd ich mich über ALLE Automatikanregungen freuen.
WENN ich nun das Getriebe tausche gegen ein Gebrauchtes 4HP22...
- Hab ich ne Chance am bereits ausgebauten gebrauchten Teil die Funktionsfähigkeit zu testen?
- Hinweise zur Wartung und Pflege? Wann Öl wechseln? Wie oft? Was muss dazu gewechselt werden?
- Hinweise zur Fahrweise? Wie schrottet man es, bzw. was sollte man vermeiden?
- Dieser Zettel fürn Tüv bzgl. Automatik/AU...ist das wirklich so schlimm?
- Worüber wird die Wandlerbrückung gesteuert, bzw. dessen Position?
Gruß, Christian

Hi Christian,

als Automatik-Fachman möchte ich mich nicht bezeichnen, aber ich fahre und warte die Dinger immerhin seit 20 Jahren und zwei habe ich auch schon mal zerlegt und repariert. Aber auch schon mal eins kaputtgemacht... [link]http://forum.mb124.de/mods/smileys/images/nixweiss.gif" />

Zum testen eines (ansonsten unauffälligen) Automaten benötigt man einen entsprechenden Prüfstand. Da Du über einen solchen mit Sicherheit nicht verfügst, muß eben das Auto selbst als "Prüfstand" herhalten. Eigentlich kein Problem, jedenfalls wenn man nicht jedes mal 300,- Euro für's Ein- und Ausbauen des Getriebes bezahlen muß.

Wenn ich mich recht erinnere, liegen die Wechselintervalle für ATF und Filter bei rund 50.000km. Ist m.E. eher eine Faustregel, als starres Wechselintervall. Bei sehr hoher Belastung des Getriebes soll man früher wechseln, fährt man eher sanfte Langstrecke, darf es auch mehr sein. Solange man es überhaupt mal - und gegen das richtige ATF - wechselt, dürfte hier unter normalen Umständen kein Problem auftreten.

Je mehr man das Getriebe schalten lässt und je höher die dabei zu übertragenden Kräfte sind, desto eher verschleißt ein Automat. Man muß aber zwei Arten von Automatikschäden unterscheiden: Es gibt Verschleiß und andere Defekte. Wenn beispielsweise ein Kupplungskorb bricht oder die Primärpumpe undicht wird, hat das kaum etwas mit der Fahrweise zu tun. Eher mit Schlamperei bei der Herstellung, bzw. dem Alter des Getriebes. Darauf hat man also praktisch keinen Einfluß, auch wenn man regelmäßig Öl wechselt und immer nur schiebt.

Abweichend von vielen Tipps verwende ich beim Ölwechsel streng und ausschließlich nur das vom Hersteller vorgeschriebene ATF. Im Falle unserer ZF4HP22 ist das ATF nach Dexron IID-Spezifikation. Ob Dexron III oder irgendetwas anderes vielleicht "besser" sein könnte, ist mir schnurz, seit ich mal Schwierigkeiten mit einem Mercedes-Automaten nach Einfüllen von Dexron III statt IID hatte. Es handelte sich seinerzeit um unterschiedlich schnell greifende Kupplungen, von zwei auf drei hämmerte er die Fahrstufen rein, von drei auf vier dauerte es lange und es schaltete schleifend. Nach Rückkehr zu Dexron IID und etwa 3.000 gefahrenen Kilometer war das Problem genau so still und leise verschwunden, wie es zuvor (nach Wechsel von IID auf III) aufgetreten war. Seit dem halt ich's streng nach Adenauer: Keine Experimente! Wozu auch? Besser als perfekt kann kein Automat schalten.

AU ist beim ZF4HP22 immer eine Wackelpartie, auch wenn ich es heute nicht mehr als kritisch ansehe. Ursache der Defekte nach AU-Prüfung war ursprünglich eine ungenügend oberflächengehärtete Welle, in die sich ein Dichtring einarbeitete, der daraufhin nicht mehr genügend abdichtete. Das führte dann dazu, das bei höherer Motordrehzahl bei Fahrzeugstillstand Steuerdruck auf eine Kupplung gegeben wurde, die daraufhin verbrannte. Daran sind früher ein ganzer Haufen von Automaten verstorben. ZF hat dann die Härtung der betreffenden Welle verbessert, so daß das Problem m.E. heute nicht mehr auftreten dürfte, weil die Automaten mit eingelaufenen Wellen derweil schon längst alle ausgefallen sein müssten. Da wir hier im Forum schon mal ein ziemliches Hauen und Stechen um diese These hatten, will ich es nicht als unumstößliche Wahrheit verkünden, sondern als persönliche Meinung. Wer unbedingt bei der AU zittern möchte, soll das tun. Ich zitter jedenfalls nicht mehr.

Allerdings weise ich den Prüfingenieur auf die Empfindlichkeit des Automaten ausdrücklich(!) hin und nehme als Betriebs-Pragmatiker immer einen Zeugen mit, der das im Notfall auch bestätigen kann. Dann haftet das prüfende Unternehmen für solcherart Schäden. Dagegen sind die meines Wissens versichert.

Die Wandlerbrücke wird hydraulisch vom Getriebe gesteuert. Der genaue Ablauf würde hier sicher zu weit führen (und müsste von mir auch erst nachgelesen werden). Fest steht jedoch, daß nicht der Wandler sich entschießt die Brücke zu schließen, sondern durch hydraulischen Druck vom Getriebe dazu gezwungen wird.

Ich an Deiner Stelle würde mir beim Kauf eines gebrauchten Automaten dessen korrekte Funktion schriftlich bestätigen lassen und auch ein Auge auf die Sauberkeit der Schlauchanschlüsse werfen. Dort dringt bei der Lagerung gern mal Schmutz ein, der dann später zu Schwierigkeiten führt. Wenn aber ein vertrauenerweckender Verkäufer schriftlich versichert, daß das Getriebe in Ordnung ist und die Anschlüsse alle sauber und gut abgedichtet sind, spricht m.E. nichts dagegen, das Getriebe einzubauen.

Viel Erfolg, Tom



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