@ 525Rainer - Abschlissende Abhandlung zur Blechbeschichtung (Allgemein)
Hallo Rainer,
nun sei mal nicht so hart. Ich fluche zwar auch, wenn ich die diversen Fehlkonstruktionen am 6er sehe. Da ist den 5er besser be- und verarbeitet.
da bringt BMW Mitte der 80er ne Phosphatierung auf den Markt die auch nichts taugt<
Die Phosphatierung für sich ist ja kein Korrosionsschutz, aber die wichtigste Schicht zum Verzahnen mit der 1. organischen Schicht, der elektrostatischen Tauchlackierung, auf die dann Füller, darauf der Basislack und darauf der Klarlack aufgebracht wird. Nur die Phosphatschicht und die darin eingebettet und verzahnte ET-Schicht bringen eine mechanisch belastbare Verbindung zwischen dem Blech und den Lackschichten zustande.
Wenn man die Karosse abbeizt, dann entfernt man auch die organische ET-Schicht. Die dann - auf die noch verbliebene Phosphatierung - aufgebracht Grundierung hat nie die Haftung als die ET-Schicht.
Es ist noch schlimmer, wenn die Leute auf die Idee kommen ihre Karossen, in dem (Irr)Glauben ihr etwas Gutes zu tun, komplett bis auf das Blech abschleifen. Dann ist nicht einmal mehr die relativ (mikrokopisch) raue Phosphatirung vorhanden, an der sich die Grundierung festkrallen kann. Auf den Flächen (Dach, Hauben etc.) ist das nicht so problematisch, aber an den Kanten ist es höchst gefährlich. Eine Lackmacke und die Unterrostung geht los.
Warum meinst Du, daß ich an meinem 6er die Schweisserei selbst an den banalen Bodendeckeln meide wie der Teufel das Weihwasser. Das wirst Du als Bayer doch sicher nachvollziehen können
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Die Vorbehandlung und die ET-Beschichtung werden in einem Prozeß (einem Guss) aufgebracht und dringen auch in die Fugen ein, wenn auch nicht so effizient. Problematisch wird es immer an den Kanten, da diese durch den Kanteneffekt immer am dünnsten lackiert sind. Da gilt besonders für die Farben Gelb und Rot. Die Erfahrung hast du sicher schon mal gemacht. Gelb kannst Du x-mal aufbringen, ehe die Kanten decken.
Zu der Phosphatierung noch ein paar Worte. Diese Schicht ist elektrisch nicht leitend. Damit aber ET-Lack im Tauchbad an der Phosphatierung abgeschieden werden kann muß aber Strom fliessen können. Die Phosphatkritallite liegen ähnlich wie Mikadostäbchen oder Plättchen (abhängig von der Art der Phosphatierung, Eisenphosphat, Zinkphosphat, Manganphosphat etc. ) auf der Blechschicht und sind an dieser durch den Austausch der Atome fest angelagert. In den angelagerten Phosphatkristalliten gibt es Hohlräume, die bis zum Blech herunter reichen. Über die "Defekte" in der Phosphatschicht kann der notwendige Strom für die ET-Beschichtung fliessen!!
Die "Defekte" sind aber nicht gleichmässig, sondern nestweise auf der Fläche verteilt. Ich habe das mal durch die Anlagerung von Kupfer und anschliessende Beobachtung unter einem Rasterelektronen-Mikroskop nachgewiesen. Die nestweise Verteilung der Poren geht vermutlich auf die nebeneinander liegenden anodischen und kathodischen Bereiche der Blechschicht zurück.
Und nun etwas bedeutendes! Die Zusammensetzung der Tauchbäder und deren chemische und thermische Zustände sind von Einfluss auf die Güte eine Beschichtung. Soweit ist noch alles ok.. Aber nun halte Dich fest....es gibt immer noch keine Messmethode zur qualitativen Erfassung der Phosphatierung. Meine Diplomarbeit heißt: "Porositätsuntersuchungen an phosphatierten Oberflächen" und die habe ich 1986 bei Ford in Köln geschrieben. Sie hatte das Ziel eine solche Messmethode mittels Stromfluss im Tauchbad zu entwickeln.
Als Ergebnis bin ich auf das Phänomen der "sphärische Diffusion" ( umgekehrter Kanteneffekt beim Lackbeschichten) gestossen. Um die Sachen weiter zu verfolgen, wären Versuche in Detroit erforderlich gewesen und das Thema besser für eine Dissertation als für eine Diplomarbeit geeignet gewesen.
So Rainer, nun müsste Dir der Kopf rauchen ??
Wie Du und vielleicht ein paar andere Leser erkennen könnt, ist das mit der Lackierung so eine Sache und nicht mit "Ein Kilo Blech, eine Kilo Lack und fertig ist der Hanomag" abgetan.
Zudem sind die Autos alle gut 15 Jahre alt und waren als Verbrauchsgüter in eine Zeit entstanden, als ein normales Auto nach 8 Jahren auf dem Schrottplatz zu liegen hatte.
Die ersten VW-Golf hatte handflächengrosse Durchrostungen im Dach. Die Ursache lag aber in Gebrauch und der Wärmebehandlung der Karosseriebleche und ein ganz anderes Thema.
Und dafür sind die Autos doch noch gut in Schuss. Die Porsche sind keine Verbrauchsgüter sondern deutsche Statussymbole. Das ist ein evidenter Unterschied.
Bis dann,
Erwin
PS: Und morgen wird ganz vorsichtige gestrahlt...pffft.....pffft, wo die Säure zu lagen braucht, um nicht mehr Grundschichten als notwendig zu zerstören. Ich werde mal sehen, ob meine Theorie von den partiell verteilten verzinkten Teilen und der damit verbundenen Absenkung des elektrochemischen Potentials des Karosseriebleches, zumindest in umliegenden Bereich der Zinkteile wirkt. Das kann aber nur die Zeit beantworten. In ein paar Jahren mehr dazu.